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Enttäuschung über schwache China-Erholung verschreckt internationale Investoren

Institutionelle Anleger haben im zweiten Quartal 6,3 Milliarden Dollar von den chinesischen Festlandsbörsen in Shanghai und Shenzhen abgezogen. Zurückhaltung zeigt sich auch bei Börsengängen.

Die holprige Erholung in China und wachsende geopolitische Spannungen haben dafür gesorgt, dass internationale Investoren im zweiten Quartal umgerechnet 6,3 Milliarden Dollar von den chinesischen Festlandsbörsen abgezogen haben. Das ergeben Berechnungen des Handelsblatts auf Basis der Daten des Stock-Connect-Systems an der Börse in Hongkong. Institutionelle Investoren nutzen aufgrund der chinesischen Kapitalkontrollen das System, um an den Märkten in Shanghai und Shenzhen zu investieren.

Die starken Abflüsse in den Monaten März, April und Mai dürften vor allem auf das Konto von Hedgefonds gehen. Diese haben 70 Prozent des Geldes, das sie Anfang des Jahres nach dem abrupten Ende der Null-Covid-Politik in China investiert haben, inzwischen wieder abgezogen, wie aus einer Analyse der US-Investmentbank Goldman Sachs hervorgeht. Im Januar hatten globale Finanzinvestoren umgerechnet insgesamt 18 Milliarden Dollar an den chinesischen Festlandsbörsen investiert und auf Gewinne infolge der Öffnung spekuliert.

Die anfängliche Euphorie ist jedoch schnell verflogen, da sich die chinesische Wirtschaft weniger schnell von den coronabedingten Einschränkungen erholt als von vielen erhofft. Zwar betonte Chinas Premier Li Qiang jüngst auf dem World Economic Forum in Tianjin, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft zwischen April und Juni stärker gewachsen sei als im ersten Quartal mit 4,5 Prozent. Doch dabei dürfte es sich vor allem um einen Basiseffekt aufgrund des schwachen Vorjahresquartals handeln. Die Daten für die wirtschaftliche Entwicklung im zweiten Quartal werden am 17. Juli veröffentlicht.

Zudem schrecken die anhaltenden geopolitischen Spannungen internationale Investoren ab. APG, einer der größten Vermögensverwalter der Welt, erklärte jüngst, dass seine Pensionsfondskunden Investitionen in China zunehmend meiden. Insgesamt verzeichnen Asset Manager eine steigende Nachfrage nach Investmentprodukten mit Fokus auf Asien ohne China. Davon profitieren den Experten von Goldman Sachs zufolge insbesondere die Aktienmärkte in Japan und Indien. Die beiden Staaten registrierten mit 45 Milliarden Dollar sowie zehn Milliarden Dollar die höchsten Nettozuflüsse ausländischer Kapitalgesellschaften in Asien.

Trotz der deutlichen Abflüsse im Frühjahr verzeichnete China im ersten Halbjahr unter dem Strich Kapitalzuflüsse von umgerechnet 7,8 Milliarden Dollar. Dazu beigetragen hat auch, dass Investoren im Juni wieder zugriffen und per saldo 2,7 Milliarden Dollar an den Festlandsbörsen anlegten – auch weil die Bewertungen inzwischen wieder günstiger erscheinen. So notiert der Leitindex CSI 300 mit den meistgehandelten Aktien aus Shanghai und Shenzhen auf dem Niveau vom Jahresanfang.

Quelle: Handelsblatt Online vom 06.07.2023