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Anleiherenditen schießen hoch: „Größtes Risiko für die Weltwirtschaft“

Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen ist auf das höchste Niveau seit dem Jahr 2007 gestiegen. Auch in Europa und Japan ist es für die Regierungen so teuer wie lange nicht, neue Schulden aufzunehmen. Anlagestrategen zeigen sich beunruhigt.

Der Renditeanstieg bei Staatsanleihen rund um den Globus weckt Befürchtungen vor einem Dämpfer für die Konjunktur – mit Konsequenzen für zahlreiche Anlageklassen. „Das größte Risiko für die Weltwirtschaft ist das Ausmaß des Schocks bei den globalen Anleiherenditen“, sagte Jim McCormick, der Makro-Zinsstratege der Citigroup, in einem Interview. „Wenn die Renditen langlaufender US-Anleihen weiter steigen, schafft das ein ziemlich instabiles Gleichgewicht für riskantere Anlagen wie Aktien und Unternehmensanleihen.“

Am Dienstag (19.5.) war die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen zeitweise auf 5,2 Prozent gestiegen, das höchste Niveau seit dem Jahr 2007. Als wesentlicher Grund gilt die Neubewertung der Inflationserwartungen. Die Rendite 30-jähriger deutscher Bundesanleihen erreichte ein 15-Jahres-Hoch. Die Renditen vergleichbarer japanischer Anleihen stiegen auf den höchsten Stand, seit diese Laufzeit 1999 erstmals emittiert wurde.

Hohe Rendite lockt kaum Käufer
„Die Zinsen bleiben auf dem Parkett ein großes Thema“, schreibt Thomas Altmann, Leiter des Portfoliomanagements bei QC Partners in Frankfurt, in einem Marktkommentar. Er verweist darauf, dass auch die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf ein 15-Jahres-Hoch geklettert ist. „Hier baut sich aktuell ein Risiko auf, das sowohl die Unternehmensbilanzen als auch die Staatshaushalte schwer treffen kann“, mahnt Altmann.

Citigroup-Stratege McCormick erwartet nun, dass sich der Fokus an den Anleihemärkten auf die Marke von 5,5 Prozent als neue „runde Zahl“ bei den Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen richtet. Ein solches Niveau war zuletzt vor 22 Jahren erreicht worden. Die alte Faustformel, nach der Renditen über fünf Prozent Anleger anlockten, gerate ins Wanken, vermutet McCormick.

Muss die Fed die Zinsen erhöhen?
Goldman Sachs und Barclays warnten bereits, dass der Ausverkauf am Rentenmarkt noch nicht beendet sein könnte. Laut einer Umfrage der Bank of America unter Fondsmanagern gehen 62 Prozent von ihnen davon aus, dass ein deutlicher Renditeanstieg im kommenden Jahr die Finanzierungskosten für 30-jährige Staatsanleihen über sechs Prozent treiben wird.

Für Kevin Warsh, den neuen Chef der US-Notenbank Fed, ist das eine Herausforderung: US-Präsident Donald Trump erwartet Zinssenkungen von ihm, was angesichts der hartnäckigen Inflation kaum zu rechtfertigen wäre. Womöglich müssen Warsh und seine Kollegen den Leitsatz sogar anheben. „Ich sehe, dass die Märkte das Risiko einer Zinserhöhung durch die Fed ab diesem Jahr unterschätzen“, sagte McCormick. (bm/Bloomberg)

Quelle: Fonds Professionell Online Magazin | 20.05.2026 | Märkte